»Cloud@Infowars«
Video

Projekt Title: CLOUD@INFOWARS

»Cloud@infowars«
Performative Installation
2016

Aluminium (gefräst, eloxiert), RGB-LED-Bubbles, Steuergeräte/electronic controls, Netzteile/power supplies, Computer, Kabel/cables, Foliendrucke und Plots/foil prints, Sound, Internet, SIM-Card-Mobilfunk/mobile telephony

B 34 m x H 1m x T 0,1 m/
B 34 m x H 1m x D 0,1 m

»Aufstiege«
Ein Lichtkunstfestival zur Inszenierung des Auf und Ab
Lichtkunstfestival KulturRegion Stuttgart
Rathaus Sindelfingen


Eröffnung / Opening Samstag / Saturday 17.9.2016 / 19:00 Uhr Rathausplatz Sindelfingen in Anwesenheit des Künstlers / In the presence of the artist
Von 17.09. bis 09.10.2016 / From 17th of September until 9th of October 2016

Künstlergespräch mit Boris Petrovsky / Artist interview: Boris Petrovsky Samstag / Saturday 24.9. / 15:00 Uhr | SA 1.10. / 17:00 Uhr Rathausplatz

Presse: SZBZ
Programmierung: Georg Nagel (stereomorph)
Grafik-Design Schriftplots Foyerfenster: Nina Martens (stereomorph)

Über
Über dem Eingang zum Rathaus in Sindelfingen hat der Künstler Boris Petrovsky ein Band aus den 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets installiert. Die Oberfläche der einzelnen Buchstaben ist mit blasenförmigen Pixellichtern überzogen, die farbige, strukturierte Flächen erzeugen und dabei Wörter und Sätze als laufende Zeichenschatten anzeigen. Über ihre Mobilgeräte können Besucher Textbotschaften an die Installation schicken. Begrenzt durch die Form der Buchstaben, die als Displays fungieren, sind diese laufenden Texte jedoch nur in Fetzen lesbar, ihre Bedeutung kann nur erahnt oder gar erfunden werden. Gleichzeitig werden Sinnzuschreibungen provoziert durch den Eindruck von Einkaufserlebnis, Jahrmarkt, Spielhalle, Börsen- und Newsticker. Der Inhalt wird von seiner Erscheinungsform verschlungen, seine hinterlassene Spur zum Spielfeld der Spekulationen. Petrovsky spielt in seiner Arbeit auf das Phänomen an, dass etwas, das »schwarz auf weiß« geschrieben steht, reflexartig Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird und zu einer sich selbst bestätigenden Feedbackschleife wird. Die Filter der Datenverteilung zielen auf die »Gleichgesinnung « der Rezipienten: Wir bekommen das zu lesen, über das wir lesen wollen, und zwar in der jeweiligen soziopolitischen Färbung. Im Zeitalter von Cloud und Social Media droht Kommunikation zwischen einer nicht zu bändigenden Informationsmasse einerseits und verkürzten, reflexhaften und virtuellen Schlagabtäuschen in Foren und Kommentarzeilen andererseits ihre Bedeutung, die Idee des gegenseitigen Verstehens, einzubü.en. Befinden wir uns etwa, wie Petrovsky provokant und zugespitzt formuliert, bereits in einem »informationellen Bürgerkrieg«? Werbeschriften und Displays behaupten ihre Lufthoheit im öffentlichen Raum, sie »überschreiben« Gebäude, wecken Wunschvorstellungen, fordern zu Projektionen heraus. Mit dieser Wirkungarbeitet Petrovsky. Seine »Überschrift« eröffnet einen Assoziationsspielraum: Das Sindelfinger Rathausportal als Zugangsweg und Einlassbeschränkung zu einer öffentlichen Institution wird durch das Schriftband und dessen auf einer zweiten Ebene stattfindenden »Überschreibung« mit den gesendeten Botschaften der Besucher zum Newsportal, zum Wortportal, ja gar zum Verhandlungsportal.

Boris Petrovsky wurde 1967 in Konstanz geboren. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Heute lebt und arbeitet er in Konstanz. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit den Zusammenhängen zwischen Vorstellung, Zeichen, Begriff und Objekt in einer medialisierten Welt und untersucht unseren Realitätsbegriff. Durch Licht, Sound und Kinetik lässt er seine Objekte und Installationen mit ihren Betrachtern kommunizieren. Dabei konfrontiert er die zum Handeln animierten Rezipienten mit der Frage nach der Wirksamkeit ihrer eigenen Partizipation. Häufig bleibt unklar, ob eine Erscheinung das Resultat der aktiven Beteiligung oder ein automatischer Vorgang der Maschine ist. Petrovsky öffnet Räume der Fragen und Selbstbeobachtung.


Text in Englisch

About
Above the entrance to Sindelfingen Town Hall, artist Boris Petrovsky has installed a banner that uses a pixel light matrix to display the 26 letters of the Roman alphabet, spelling out words and sentences on coloured surfaces. Visitors can interact with the messages on the installation via their mobile devices. However, only fragments of the messages are visible because of the shape of the letters on which they are displayed. This means that visitors have to guess their meaning – or even invent their own. The content of the messages is devoured by their form, leaving behind a trace that invites speculation. In his work, Petrovsky looks at the condensed, often knee-jerk, communication that is typical of the social media age and asks the provocative question: are we in the midst of an »information civil war«?

Boris Petrovsky was born in Konstanz in 1967. He studied at the Academy of Fine Arts in Hamburg. Today he lives and works in Konstanz. In his work he focuses on the connections between ideas, symbols, notions and objects in a media-dominated world and examines our concept of reality. He uses light, sound and kinetics to allow his objects and installations to communicate with their viewers. In so doing, his recipients are encouraged to act, and he confronts them with the question of the validity of their own participation. Often it remains unclear whether a phenomenon is the result of active participation or an automated process on the part of a machine. Petrovsky creates space for questioning and self-reflection.